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Wehret den Anfängen!
06.05.2017
WSA Bremen warnt vor Einbindung von Teilabschnitten der Weser in ein Naturschutzgebiet

Intensiver Gedankenaustausch: Vertreter vom Nautischen Büro des WSA Bremen und der Freizeitschifffahrt trafen sich zum jährlichen Gesprächskreis im Konferenzraum des Weserwehrs in Bremen. (Foto: Kölling)

Kann eine Bundeswasserstraße wie die Weser  gleichzeitig Naturschutzgebiet nach den europäischen FFH-Richtlinien sein? Das Nautische Büro der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung Bremen meint Nein und hat seinen Widerstand gegen Pläne der niedersächsischen Landesregierung angekündigt, die Weser dort unter Naturschutz zu stellen, wo sie durch FFH-Gebiete fließt. Es geht um 20 Kilometer zwischen Flusskilometer 12 und 32 und um 45 Kilometer von Flusskilometer 40 bis 85 zur Grenze der Seefahrt.

„Für Wasserstraßen in einem Naturschutzgebiet lassen sich viele Dinge aus unserem Aufgabengebiet nur sehr viel schwieriger als heute umsetzen. Auch vor dem Hintergrund zukünftig einmal drohender Einschränkungen für die Schifffahrt können wir solchen Plänen nicht zustimmen“, sagte Andreas Kahnwald vom Nautischen Büro des WSA Bremen vor Vertretern der Freizeitschifffahrt beim jährlichen Gesprächskreis im Konferenzraum des Weserwehrs in Bremen.

Offenbar hat die niedersächsische Landesregierung ihren Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Umsetzung der FFH-Naturschutzgebietsregeln für die Weser und andere Flüsse im Land betraut. An der Ems sei das Verfahren schon deutlich weiter als an der Weser, wusste Simone Müller vom WSA Bremen zu berichten. Lange sei dort alles ziemlich kommentarlos über die Bühne gegangen. Dort verweigerten jetzt aber die Landkreise wegen der drohenden Auflagen auch für Naherholung und den Fremdenverkehr ihre Zustimmung in dem Verfahren und machten „Schwierigkeiten“. Für die Weser würden zurzeit noch Stellungnahmen von allen zuständigen Stellen erwartet.

„Wenn Niedersachsen damit jetzt anfängt, kann man fest damit rechnen, dass sich Bremen mit seinen FFH-Gebieten am Fluss bald anschließen wird und selber das Verfahren in Gang setzt“, sagte dazu Norbert Köhler, der Vorsitzende der Wassersportkommission im Lande Bremen. Was neue Naturschutzregeln für das Befahren von Flüssen bedeuten können, habe man gerade erst am Beispiel der Hamme erlebt. Dort wurden deutliche Einschränkungen des Bootsverkehrs nur durch massiven Protest der Wassersportler bis hin zu Online-Petitionen abgewandt. Köhler: „Die Hamme war gegen das, was hier droht, nur eine kleinere Übung. Man muss sehen, wie weitreichend Regelungen hier sein könnten.“ Der Wassersportfunktionär rät den Wassersportlern schon einmal, sich umfassend über das Thema zu informieren.

Was im Kleinen passieren könnte, lässt sich demnach offenbar an Harriersand durchspielen. Dort hat das WSA Geld und viel Arbeit investiert, um die Gräben zu entschlicken und zu vertiefen. Das Wasser soll nach extremen Hochwassern aus dem rückwärtigen Teil der Insel besser abfließen können. Den Priel kann man so jetzt wieder deutlich besser als vorher befahren. Gut also für den Wassersport? Mitnichten: Köhler sagt  schon einmal voraus, was mit kleinen Steganlagen wie der hinter der Weserinsel Harriersand vom örtlichen Wassersportverein in einem FFH-Naturschutzgebiet passieren wird: „Dort wird dann kein motorisierter Wassersport mehr erlaubt sein, sondern maximal noch muskelbetriebener. Das wurde in den ersten Gesprächskreisen ganz klar formuliert.“

Der sogenannte „rechte Nebenarm“ der Weser hinter Europas größter Flussinsel  ist jetzt Teil des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ - einem gemeinsamen Projekt des Bundesverkehrs- und des Bundesumweltministeriums. Viel ist dabei von Renaturierung von Wasserstraßen die Rede und von der Vereinbarkeit davon mit dem Wassersport. Torsten Stengel, Leiter der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Bremen, Bremerhaven und bald auch in Wilhelmshaven, spricht von bundesweit 2800 Fluss- und Kanalkilometern, welche die Bundesregierung gerade zu sogenannten Nebenwasserstraßen erklärt: „Eigentlich steht hinter dem Blauen Band der gute Gedanke, absehbar in den kommenden Jahren Entwicklungspläne für jedes Gewässer zu erarbeiten. Und damit kennt man dann auch den Maßnahmenbedarf und kann damit Mittel akquirieren wie wir jetzt im Fall des rechten Nebenarms.“ Vor diesem Projekt sei vollkommen unklar gewesen, wer zukünftig überhaupt noch für die Bewirtschaftung der Nebenwasserstraße zuständig gewesen wäre.

Worauf Stengel im Weserwehr als oberster Bundesbeamter für eine freie Schifffahrt nicht weiter eingeht, ist der sich abzeichnende Konflikt zwischen der maritimen Wirtschaft an der Weser, der Berufs- und Freizeitschifffahrt sowie der Fischerei auf der einen Seite und den Naturschützern und ihrer Lobby in den Umwelt-Amtsstuben sowie den nichtstaatlichen Organisationen wie BUND und NABU auf der anderen Seite.  Norbert Köhler sagt dazu: „Nicht nur die Wassersportler müssen jetzt wirklich aufpassen.“ (Volker Kölling)

 

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