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Sport Schipper
Saisonhöhepunkt der Starboot-Elite
04.03.2006
Im August "fliegen" die Stare im ostholsteinischen Neustadt zur Rolex Baltic Week (6. - 13. August) ein. Auf der Lübecker Bucht kürt die Weltelite der Starboot-Segler nach 1989 zum zweiten Mal ihren Europameister.

85 Boote aus 20 Nationen erwartet / Einheimische Mitfavoriten


Im August "fliegen" die Stare im ostholsteinischen Neustadt zur Rolex Baltic Week (6. - 13. August) ein. Auf der Lübecker Bucht kürt die Weltelite der Starboot-Segler nach 1989 zum zweiten Mal ihren Europameister.

 

 


Vor Floridas Küste starteten sie im Januar bei der Rolex Miami OCR Regatta in die diesjährige Saison. Im August "fliegen" die Stare im ostholsteinischen Neustadt zur Rolex Baltic Week (6. - 13. August) ein. Auf der Lübecker Bucht kürt die Weltelite der Starboot-Segler nach 1989 zum zweiten Mal ihren Europameister.

 

"Wir rechnen mit gut 85 Booten aus 20 Nationen, alle Top-Teams aus Europa werden vertreten sein", sagt Torben Knappe, Gesamtwettfahrtleiter vom Ausrichter Norddeutscher Regatta Verein Hamburg (NRV). "Spirit of the stars  - unter dem Motto werden die französischen Weltmeister Xavier Rohart/Pascal Rambeau erwartet, die britischen Titelverteidiger Ian Percy/Steve Mitchell und auch der zweimalige Finn-Olympiasieger aus Polen, Mateusz Kusznierewicz, der im Vorjahr ins Lager der Stare gewechselt ist. Gesegelt werden unter der Leitung von Christian Haake (Berlin/Verein Seglerhaus am Wannsee) vom 7. bis 12. August erstmals acht Wettfahrten, allerdings ohne das vom Weltverband ISAF neu ins Regelwerk aufgenommene Finalrennen.

 

"Wir wollen das neue Format erst im Herbst anpassen nun zuvor unter anderem bei der Kieler Woche testen", erklärt Alexander Hagen, Vizepräsident Europa der International Star Class Yacht Racing Association (ISCYRA). Für den 51-Jährigen sind die Europameisterschaften nicht nur der Saison-Höhepunkt, sondern eine ganz besondere Regatta, steigt sie doch auf seinem Heimatrevier, wo der gebürtige Lübecker vor nunmehr 41 Jahren das Segel-Abc erlernte. Aus der anfänglichen Abneigung gegen das "Altherrenboot" ist für den Liebhaber von alten Motorrädern mittlerweile eine Erfolgssaga mit zwei Weltmeistertiteln (1981 und 1997), dreimal EM-Gold (1980, 1981, 1983) sowie zwei Olympiateilnahmen (1988 und 2004) geworden. Im Vorjahr stellte der "Oldie" mit EM-Platz sechs seine Klasse erneut unter Beweis. Im August will er wieder unter die Top 10, allerdings mit neuem Vorschoter. Der Hamburger holte sich mit dem Kieler Medizinstudenten Sebastian Munk einen erprobten Finn-, Jollen- und Contender-Segler ins Boot. "Wir werden im April auf der Alster unsere erste Regatta segeln", erklärt Hagen. Ein paar Trainingstage in Dänemark und als EM-Generalprobe die Norddistrict-Meisterschaften im Rahmen der Travemünder Woche (21. bis 30. Juli) sind zudem geplant. Und ist Olympia 2008 noch ein Thema? "Keine Ahnung, das lasse ich auf mich zukommen." Ausschließen will er es jedoch nicht.

 

So vage geben sich Marc Pickel und Ingo Borkowski nicht. Für den Bootsbauer aus Kiel und den Juristen aus Babelsberg sind die olympischen Regatten von Qingdao das erklärte Ziel. Auf dem Weg nach China wollen sie nichts dem Zufall überlassen. Borkowski, der schon 2000 in Sydney im olympischen Silber-Soling von Jochen Schümann saß, lässt sich dafür sogar drei Jahre von seinem Arbeitgeber, dem Brandenburger Landtag, beurlauben. Den finanziellen Rückhalt für die Kampagne gibt ihnen dabei die Willi Illbruck Racing Foundation. "Ohne sie wäre das gar nicht möglich", sagt Familienvater Borkowski, der mit Pickel das Olympia-Ticket für Athen 2004 nur knapp verpasst hatte. Jetzt nimmt das Duo einen neuen Anlauf.

 

Mit Platz 29 fiel ihr Auftakt bei der Rolex Miami OCR Regatta allerdings "recht holprig aus", bekennt Borkowski, "doch alles andere hätte uns auch überrascht". Denn im Mai 2004 saßen beide das letzte Mal gemeinsam im Starboot. "Wir haben einigen Nachholbedarf", weiß der 34-Jährige Borkowski, für den die räumliche Trennung zu seinem Steuermann kein Problem ist. Denn allein in diesem Jahr stehen bis zu 150 gemeinsame Segeltage auf dem Programm. Als Solisten trainieren sie zwischendurch in heimischen Gefilden Kraft und Ausdauer. So wie in diesen Tagen. Ende Februar ging es zurück nach Florida, zum Bacardi Cup. Auch anschließend lassen beide kein Kräftemessen mit der Weltspitze aus. "Unser Saison-Höhepunkt sind jedoch die Weltmeisterschaften Anfang Oktober vor San Francisco. Dort wollen wir nachweisen, dass wir an der Weltspitze dran sind", sagt Borkowski. "Die EM in der Lübecker Bucht", wo er im Vorjahr bei Rolex Baltic Week im Drachen mit Marc Pickel und Thomas Müller auf WM-Platz sieben segelte, "ist dabei ein ganz wichtiger Meilenstein für uns."

 

Olympia 2008 - das ist auch der Antrieb für Robert Stanjek (25) und seinen Vorschoter Frithjof Kleen (22). Wie Pickel/Borkowski gehen die gebürtigen Berliner als Mitglieder des NRV Olympic Teams ihr Vorhaben professionell an. Doch der Start der deutschen Nachwuchshoffnungen fiel bei der Rolex-Regatta vor Miami mit Platz 43 eher durchwachsen aus. "Wir mussten neun Tage auf unsere Schiffe im Hafen warten, konnten zur ersten Wettfahrt so nur mit einem gecharterten Boot starten und haben dann am zweiten Tag die halbe Nacht unter Flutlicht den Mast aufgestellt. Die Regatta war ein Spiegelbild dessen", berichtet Stanjek, der Ende 2004 vom Laser (Deutscher Meister 2003) in das seit 1932 olympische Kielboot umgestiegen ist. Bereut hat er es nicht. "Ich bin jung in der Klasse, und dieser Vorteil verschafft mir Ruhe." Im Dänen Christian Rasmussen haben er und Kleen zudem einen erfahrenen Coach gefunden. "Er ist ein absolutes Genie", schwärmt Stanjek. 100 gemeinsame Trainingstage sieht ihr diesjähriger Plan vor. "Unser Schwerpunkt liegt in der Speedentwicklung." Das ist derzeit auch der Inhalt des Mallorca-Trainings, "wo wir bis Ostern bleiben, ideale Bedingungen haben". Ende Februar ging es auch für die segelnden Studenten - Stanjek studiert an der Berliner Humboldt-Universität Sportwissenschaft, Kleen in Rostock Politikwissenschaft und Philosophie - ebenfalls wieder über den "Teich" zum Bacardi Cup. Für die Europameisterschaft vor Neustadt (Stanjek: "Einer unserer zwei Höhepunkte") will sich das Duo auch einige Tage revierspezifisch in Lübeck vorbereiten, "denn wir peilen einen A-Kaderplatz an".

 

Information Starboot:

Gezeichnet wurde das Zweimann-Kielboot 1911 von den Amerikanern Wilhelm Gardner und Francis Sweisguth. Die ersten Boote waren mit einer steilen Gaffel parallel zum Mast getakelt. Internationale Klassenvereinigung ist die International Star Class Yacht Racing Association (ISCYRA). Das Starboot ist die älteste olympische Klasse (seit 1932). Bis heute wurden mehr als 7500 Boote gebaut, rund 2000 werden derzeit aktiv gesegelt. Die Klasse ist weltweit in 21 Distrikte unterteilt, die sich wiederum in Flotten gliedern. In Deutschland gibt es 23 Flotten. Ausrichter der "F. Laeisz Internationalen Deutschen Meisterschaften" vom 23. bis 28. Mai auf der Alster sind die Lübecker und Hamburger Flotte, die ihr 25- sowie 75-jähriges Jubiläum feiern. In der deutschen Rangliste 2005 sind 149 Boote notiert.


Technische Daten:

Länge über Alles: 6,922 m.
Länge in der Wasserlinie: 4,72 m.
Verdrängung: 671 kg.
Tiefgang: 1,02 m
Segelfläche: 27,92 qm.
Großsegel: 20,5 qm.
Länge Mast: 10,0 m.


Die dritte Rolex Baltic Week wird vom Norddeutschen Regattaverein Hamburg (NRV) vom 6. bis zum 13. August 2006 erneut in der ancora marina in Neustadt/Holstein an der Ostsee (Lübecker Bucht) ausgerichtet. Sie umfasst drei Regatten. Es sind die IMS-Hochseesegelweltmeisterschaften, die Starboot-Europameisterschaft und das Swan Race exklusiv für Yachten von Nautor's Swan.